wbk Institut für Produktionstechnik

Prof. Jürgen Fleischer wird 60

Das Team des wbk gratuliert Institutsleiter Prof. Fleischer zum 60. Geburtstag und gewährt im Kurzinterview Einblicke.
Prof. Jürgen Fleischer

Zum 60. Geburtstag erfahren Sie in unserem persönlichen Kurzinterview mehr über Professor Jürgen Fleischer, Leiter des wbk Instituts für Produktionstechnik.

Was war aus Ihrer Sicht die größte wissenschaftliche Errungenschaft weltweit in den vergangenen 60 Jahren?
Prof. Jürgen Fleischer: „Für mich waren die größten Errungenschaften nicht rein wissenschaftliche, sondern vor allem auch technische. Das größte Erlebnis für mich war die Mondlandung. Die habe ich mit meinem Vater im Alter von sieben Jahren in Bibione (Italien) in einer Bar auf dem Schwarz-Weiß-Fernseher verfolgt. Das zweite große Erlebnis war für mich der Aufstieg Chinas zur Industrienation, das konnte ich ab 1989, als war ich zum ersten Mal in China war, durch jährliche Besuche eng verfolgen. Und als Drittes nenne ich das Internet. Hier waren aus meiner Sicht die Meilensteine am wbk in den 80-er Jahren das Computer Integrated Manufacturing (CIM), in den letzten 10 Jahren dann Industrie 4.0 und aufgrund der Corona-Pandemie 2020 die schnelle und veränderte Kommunikation über Zoom, Teams und ähnliche Dienste.“

Worin sehen Sie Ihre persönlichen größten wissenschaftlichen Erfolge?
Prof. Jürgen Fleischer: „Ich bin da bescheiden und habe mich immer als einen Ingenieur verstanden, der in Industrie und Wissenschaft gleichermaßen zuhause ist. Wissenschaftlich konnte ich mich während meiner Zeit am wbk insbesondere in der Entwicklung von flexibel automatisierten Produktionsanlagen für die Mikromontage, den Hybriden Leichtbau (Transregio 10 und DFG SPP 1712), in neuerer Zeit aber auch für neue, noch unreife Prozesse wie den 3D-Druck, die Batteriezellen und Hairpin-Traktionsmotoren vertiefen. Ebenso verfolgen wir mit unserem Vorhaben Wertstromkinematik die Vision, die Fabrik mit ihren Wertströmen komplett mit flexiblen Kinematiken abzubilden, die mit Hilfe von Modellwissen und Künstlicher Intelligenz weitgehend autonom arbeiten. Allerdings muss ich mich daran messen lassen, ob all diese Forschungsarbeiten auch in die industrielle Realität überführt werden können und wir damit einen Beitrag leisten, um Deutschland als Industrienation weiterzuentwickeln.“ 

 

Wer waren und sind Ihre Vorbilder und weshalb?
Prof. Jürgen Fleischer: „Am meisten geprägt hat mich sicherlich mein Doktorvater Professor Hartmut Weule. Ich musste immer schwer für ihn arbeiten, er hat mich aber auch sehr gefördert. Von ihm habe ich gelernt, dass es einer guten Mischung aus wissenschaftlichem Tiefgang, aber auch Managementwissen sowie der Bildung und Motivation von schlagkräftigen Teams bedarf, um unsere Aufgaben erfolgreich zu bewältigen. Von Professor Bertold Leibinger, dem 2018 verstorbenen Geschäftsführer der Firma Trumpf, habe ich gelernt, dass man auch ein bisschen besessen sein muss, wenn man erfolgreich sein will. Und man muss über die Größe verfügen, sich ein Stück weit zurückzunehmen und die Bühne auch denen zu überlassen, die die echte Arbeit gemacht haben. Man sollte sich selber nicht so wichtig nehmen und sein Team fördern.“

Welchen Rat würden Sie mit dem heutigen Wissen dem 20-jährigen Jürgen Fleischer mit auf den Weg geben?
Prof. Jürgen Fleischer: „Als ich 20 Jahre alt war, hat mich noch meine Familie beraten. Die mir sagte, es sei wichtig, fleißig zu sein und dafür zu sorgen, dass man schnell auf eigenen Beinen stehen kann. Später habe ich erkannt, dass es wichtig ist, Freunde zu haben, die einem die Wahrheit sagen und dabei helfen, die eigene Komfortzone zu erkennen: Was kann ich wirklich gut und was weniger? Heute würde ich einem jungen Kollegen empfehlen: Mach das, was Dir liegt, was Dir Freude bereitet und Dich erfüllt. Suche Dir einen Chef, der Dich fördert und von dem Du etwas lernen kannst. Gründe eine nette Familie, denn das Leben ist viel mehr als nur der Beruf.“

Was ist Ihr allergrößter Geburtstagswunsch?
Prof. Jürgen Fleischer: „Ich möchte gesund bleiben, weiterhin Spaß haben im Beruf haben, wobei bei mir Spaß durch Erfolg kommt, und noch möglichst lange mit jungen Kolleginnen und Kollegen am wbk zusammenarbeiten dürfen. Außerdem möchte ich Zeit für die Familie finden, die langsam größer wird. Und die neue Forschungsfabrik, die wir nächstes Jahr beziehen dürfen, ist natürlich ein tolles Geburtstagsgeschenk!“

Vielen Dank für das offene Gespräch! Das gesamte Team des wbk Instituts für Produktionstechnik gratuliert herzlich zum 60. Geburtstag. Wir hoffen, dass wir die Feier im gebührenden Rahmen nachholen können.

Mehr zur Person:
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Fleischer studierte Maschinenbau und promovierte 1989 an der Universität Karlsruhe (TH). Von 1992 an war er in mehreren leitenden Positionen in der Industrie tätig, ehe er im Jahr 2003 zum Professor und Leiter des wbk Instituts für Produktionstechnik am heutigen KIT berufen wurde. Darüber hinaus ist er seit 2012 Gastprofessor an der Tongji-Universität in Shanghai.

Als anerkanntes Mitglied der wissenschaftlichen Gemeinschaft engagiert sich Prof. Fleischer beispielsweise in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP, seit 2004), der International Academy for Production Engineering (CIRP, seit 2006) und bei der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (Acatech). Von 2015 bis 2019 vertrat er die Produktionstechnik als Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und ist darüber hinaus Mitglied mehrerer wissenschaftlicher und industrieller Beiräte.

Professor Jürgen Fleischer ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Karlsruhe.